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30 Jahre nach dem Mauerfall

Was hoffen wir? - Zwei Perspektiven aus Ost und West

Pfarrer Johannes Lohscheidt (West) und Pfarrer Ramon Seliger (Ost) berichten aus ihrer Sicht über 30 Jahre Deutsche Einheit. Am 3. Oktober gibt es zu diesem Thema auch einen Online-Gottesdienst.

Pfarrer Ramón Seliger ist Pfarrer an der Herderkirche in Weimar und Pfarrer der OnlineKirche der Ev. Kirche in Mitteldeutschland:

30 Jahre Deutsche Einheit. Ein Grund zu feiern - keine Frage! Und doch habe ich die Hoffnung, dass wir dieses 30. Jubiläum noch einmal anders feiern können: ehrlicher, aufmerksamer füreinander, und ja, auch differenzierter. Es ist an der Zeit, neben all dem Jubel und den schönen Geschichten endlich auch die schwierigen Geschichten zu erzählen und zu hören. Sie erzählen von Hoffnung und Ent-Täuschung, von Heimatlosigkeit und Existenzängsten, von einer verlorenen Generation und der Erfahrung fremd im eigenen Land zu sein. Lasst uns erzählen von den Brüchen im Leben und dass Deutsche Einheit so viel mehr meint als Wirtschaftskraft und Bruttoinlandsprodukt. Mehr Wahrheit wagen und die Geschichte von 30 Jahren Deutsche Einheit so erzählen, dass sich auch die Menschen im Osten in ihnen wiederfinden mit ihren Geschichten. Sonst werden diese Geschichten in den Händen der Falschen zu politischem Sprengstoff und gefährden das, wofür wir zu Recht dankbar sind.

 

Pfarrer Johannes Lohscheidt ist Pfarrer in Gießen-Ost:

Ich bin ein „Wessi“. Das habe ich als Student in Jena gelernt. Eine andere Stadt, nette Leute, eine neue Universität wollte ich kennenlernen. Doch zunächst stand eine Irritation. Als Kind der Achtziger habe ich mich selbst nie als Westdeutsch verstanden – ich war Deutscher und die Einheit in meinen Augen vollendet. Das war sicher naiv und gleichzeitig ahne ich, dass es vielen Westdeutschen ähnlich gehen könnte. Der Diskurs in Ost und West hat eine Unwucht – das habe ich in Jena als erstes gelernt.

Ich schaue in die Zukunft. 30 Jahre deutsche Einheit, und doch scheint ein Land entzweizubrechen. Vielleicht auch an der mangelnden wechselseitigen Kenntnis der Geschichten, die geschrieben wurden? Mir bleibt der Weg nach vorne ins Gespräch. Getragen werde ich dabei in der Hoffnung auf die Verheißung Gottes: Gott, der die Menschheit mit sich selbst versöhnt. Der nicht Ost noch West kennt, sondern grenzenlos an jedem fürsorgend handelt. Der Menschen Mauern überwinden lässt. Versöhnend.

 

Herzliche Einladung

OnlineGottesdienst 30 Jahre Deutsche Einheit verbindet eine Gemeinde in West in Lich mit einer Gemeinde in Ost in Walldorf/Thüringen.

3. Oktober, 17 Uhr, auf https://onlinekirche.ekmd.de/


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